gedanken beim schuhe shoppen: steigern hübsche junge verkäufer den verkauf? • life

Ein besonders stressiger Tag und ein besonders unbequemes Paar Schuhe haben mich heute Nachmittag in einen Schuhladen getrieben. Erwartet habe ich viele Schuhe und ein paar alte Schachteln, nämlich die üblichen Verkäuferinnen um die 50. Stattdessen hüpften da ein paar sehr junge und sehr knackige Männer durch die Gegend. Ist das eine neue Masche?

(Achtung: In diesem Post wimmelt es von sogenannten First World Problems.)

Ich hatte heute schon eine Schuh-Krise, bevor der Tag so richtig angefangen hatte. Nach dem Aufstehen habe ich meine Woche geplant, Kaffee getrunken, Sachen in der Wohnung erledigt – typische Montagmorgen-Dinge eben.
Dann wollte ich mich in ein hübsches Büro-Outfit werfen und losstöckeln, schließlich hatte ich mehrere Termine und eine lange To-Do-Liste vor mir. Also, Bleistiftrock, Männer-T-Shirt zum Ausgleich, schöne Schuhe und… Tja. Das leidige Schuh-Thema. Ich hab’s einfach nicht so mit Schuhen.
Zum Bleistiftrock mussten hohe Schuhe her. Sandalen fielen raus, weil Strumpfhose. Und da ich in sämtlichen Pumps, die ich mir irgendwann im Affekt irgendwo im Sale gekauft habe, nicht laufen kann, blieben noch drei Paar:
1. Braune Halbschuhe im Budapester-Stil mit Schnalle und Blockabsatz. Sehen zum grauen Bleistiftrock aus wie ein Mütterchen auf dem Wochenmarkt. Nein.
2. Schwarze Lackschuhe zum Schnüren. Eigentlich sehr hübsch, nur ist der Absatz eigentlich ein bisschen kaputt (ich sollte zum Schuster, was ich vor mir herschiebe) und außerdem habe ich ein bisschen dicke Beine in solchen Schuhen. Also ja, aber nicht heute.
3. Die heißgeliebten Lieblingspumps. Eigentlich mein Allrounder. Vor Jahren durch einen Zufall entdeckt, spottbillig, in mehreren Farben geholt, vor ein paar Monaten noch einmal in schwarz gekauft. Im Club angehabt, auf komischem Boden gelaufen, Absatz hinüber- und zwar total.
Also dachte ich mir, was soll’s, so viele Leute werden schon nicht auf deine Schuhe achten – lachst du halt mehr, dann gucken sie dir nur ins Gesicht – und ließ die abgeratzten Lieblingspumps an. Im Hinterkopf formte sich aber schon langsam der Gedanke, endlich mal ein Paar schöne Schuhe zu kaufen, die zu allem passen.

Natürlich hab ich mich dann doch unwohl gefühlt. Spät dran, schnell ins Büro, gearbeitet, Laugenstange, Termin, Kollegin krank, Termin irgendwie weitergemacht, zurück an den Schreibtisch, anderer Termin für nachmittags abgesagt bekommen, 5-Minuten-Fertiggericht, noch zwei Termine und drei To-Do’s im Kalender. Beschlossen, dass ich eine Pause brauchte.

Für das richtige Sex-And-The-City-Feeling geht man zur Entspannung am besten zu Starbucks oder Shoppen. Und da war ja noch der Gedanke mit den Schuhen. Ich brauche endlich ein Paar Schuhe, die zu allem passen. Die schöne Beine machen zum Bleistiftrock, gut aussehen zur Jeans, geschlossen sind (falls ich Strümpfe trage), ausreichend hohe Absätze haben (für das Ich-bin-Sara-Ellis-oder-Donna-Paulsen-oder-Carrie-Bradshaw-ich-trage-immer-solche-Schuhe-Gefühl) und in denen ich den ganzen Tag durch die Gegend hetzen kann, ohne an der Ferse rauszurutschen oder in Stuttgarts furchtbaren Straßenpflastern stecken zu bleiben. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Um wenigstens den Hauch einer Chance zu haben, ließ ich die üblichen Schuh-Discounter links liegen und entschloss mich für ein mittelteures, „ordentliches“ Schuhgeschäft. Dunkel erinnerte ich mich, dass ich hier das letzte Mal von einer der üblichen mittelalten Verkäuferinnen sehr gut beraten worden war.
Mir wurde dann auch promt Hilfe angeboten – allerdings von einem Typen Mitte Zwanzig mit Tattoos und Hipster-Shirt. Leicht irritiert dachte ich, der wird wohl eine merkwürdige Ausnahme sein. Außerdem hatte ich ja eine Mission, die Schuhe warteten auf meine Aufmerksamkeit. Und obwohl ich wirklich kein Schuh-Fan bin, lachten mir dann doch ein Paar sehr hübsche schwarze Veloursleder-Pumps mit T-Strap von Paul Green entgegen. Der hübsche Verkäufer bot an, den zweiten Schuh zum Anprobieren zu holen. Und wer kam dann mit dem zweiten Schuh um die Ecke, während ich noch das Preisschild anstarrte und innerlich mit mir selber schimpfte? Noch ein junger Hübscher! Ich scheuchte Paul Green und seine teuren, aber bequemen Schuhe kurz aus meinem Kopf und schaute mich im Laden um. Außer mir noch zwei Damen Ende 50, eine Endvierzigerin und eine verzweifelte Frau, die bestimmt schon über 60 war. Die lassen sich doch bestimmt gerne von so jungen Schnittchen beraten. Auch wenn bei denen altersmäßig wohl eher ich die Zielgruppe wäre. Ist das eine neue Masche? Stellen Schuhhäuser seit Neustem Eye Candy in den Laden, so wie in anderen Geschäften bestimmte Musik läuft? Wird hier das Unterbewusstsein der Käufer manipuliert? Werden so mehr Schuhe verkauft?

Ich beschloss, mich nicht manipulieren zu lassen, und probierte die schwarzen Pumps an. Hm. Die würden tatsächlich zu fast allem passen. Von Business-Rock und Blazer über romantische Vintage-Kleidchen, Jeans und T-Shirt bis zu Lederjacke und Glitzertop. Ein bisschen groß waren sie allerdings. Habe wohl doch nicht solche Quadratlatschen wie gedacht. Während der junge Hübsche seinen Hipster-Kollegen schickte, um die Schuhe in einer halben Nummer kleiner zu suchen, wechselte ich ein paar Sätze mit ihm. Er fand, die Schuhe sähen gut aus an mir. Da fiel mir wieder ein, wieso ich Verkäufer in meinem Alter nicht leiden kann. Ich weiß nie, ob die mit mir flirten oder nur ihre Ware an den Mann (die Frau? den Mensch? die Rona?) bringen wollen. Vermutlich beides. Ich wollte mich doch nicht manipulieren lassen, verdammt!
Das kleinere Paar saß aber doch wie angegossen. Kennt ihr das Gefühl, wenn man in ein Paar Schuhe schlüpft und sich fühlt, als hätte man nie etwas anderes angehabt? Oder bin ich doch nur komisch?

Also, hübscher Verkäufer hin oder her, die Pumps waren hübscher.
Nur leider zu teuer, ich bin doch eine arme Studentin, und außerdem aus Leder, ich bin doch irgendwie fast Veganer.
Aber das wäre doch eine lohnende Investition, und für ein Paar Schuhe, die ich ewig trage, könnte ich mein schlechtes Gewissen vielleicht sogar ignorieren.
Oder war ich doch unbewusst von diesem Verkäufer beeinflusst worden? Na hör mal, so hübsch war der doch auch wieder nicht, und außerdem, das ist doch eine Masche von denen und überhaupt!
Um einen Impulsiv-Kauf aufgrund Unwohlsein im eigenen Outfit zu verhindern, ließ ich die Schuhe einen Tag zurücklegen – Jetzt hat der junge Hübsche auch noch meinen Namen! -, um eine Nacht darüber zu schlafen.

Als ich aus dem Laden ging, rief mir der Verkäufer hinterher: „Bis morgen!“

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